67 Jahre Steinkohlenbergbau
Baesweiler einst im Zeichen von Hammer
und Schlegel.
von M. Kurt Faßbinder
Baesweiler Steinkohlenbergwerk Carl-Alexander
Bis zur Übernahme durch den Eschweiler Bergwerksverein im Jahre 1965 befand
sich das Baesweiler Steinkohlenbergwerk CARL-ALEXANDER zu je 50% im Besitz der
Röchling´schen Eisen- und Stahlwerke AG in Völklingen und der französischen
Stahlwerksgesellschaft Ackiéries de Longwy in Mont-Saint-Martin. Die
Gewerkschaft erhielt ihren Namen nach dem Seniorchef der Röchling-Werke,
Carl Röchling und dem Leiter der französischen Stahlwerksgesellschaft,
Alexander Dreux.
Die Gewerkschaft verfügte zunächst über kein eigenes Grubenfeld,
sondern erwarb dieses mit einer Größe von 35 681 126 qm vom EBV.
1908 wurde mit den Kernbohrungen bis zu einer Teufe von 1 000 Metern begonnen.
Kurz danach wurde auch mit den Teufarbeiten zu Schacht II angefangen. Große
Schwierigkeiten ergaben sich bei der Durchteufung einer 480 m starken Schwimmsandschicht.
Die erste Förderbohrung konnte erst 1921 aufgenommen werden. Vor Beginn
des zweiten Weltkrieges erreichte man eine Jahresförderung von 700 000
Tonnen.
Im Herbst 1944 wurde die Grube durch die Kämpfe im Aachener Raum stark
in Mitleidenschaft gezogen. Durch Pumpenausfall stieg das Wasser bis zur oberen
Sohle. Nach dem Sümpfen durch verbliebene Belegschaftsmitglieder konnte
die Förderung wieder aufgenommen werden.
1962 überschritt sie erstmals die Eine-Million-Tonnen-Marke. Am 17. Januar
1975 wurde der Durchschlag von der 610m-Sohle Carl-Alexander auf die 860m-Sohle
der Grube Emil Mayrisch vollendet. Der Zusammenschluss der Gruben Emil Mayrisch,
Siersdorf und Carl-Alexander, Baesweiler zu einer Großschachtanlage wurde
am 30. September 1975 mit der Einstellung der Förderung auf Carl-Alexander
abgeschlossen. Seit dem Abbruch der Übertageanlagen diente der Schacht
II mit dem um seine markante obere Stahlkonstruktion verstümmelten Förderturm
als Wetterschachtanlage für Emil-Mayrisch.
Von 1908 bis 1975 verdienten viele Einwohner von Baesweiler und Umgebung ihr
Brot auf dem "Alex", wie die Grube in der Umgangssprache genannt wurde. Im Anschluss
an die Zeche und in ihrem Einflussbereich sind auf dem 300 Hektar umfassenden
Grundbesitz der Gewerkschaft Carl-Alexander vier Bergarbeitersiedlungen erbaut
worden, sie umfassten im Frühjahr 1928 bereits 719 Eigenwohnungen. Die
erste und älteste dieser Kolonien lag unmittelbar bei der Schachtanlage
und enthielt 67 von Beamten und höher qualifizierten Facharbeitern besetzte
Wohnungen. Die Siedlungen sind vorwiegend mit Ziegelsteinen aus der Zechen-Ringofenziegelei,
die eine Jahresproduktion von 5 Millionen Steinen hatte, erbaut worden. Die
Ziegelei wurde 1931 stillgelegt. Nach einigen Umbauten diente sie nach dem Kriege
als Wohnheim für die ersten Gastarbeiter. Bei allen Wohnungsbauten galt
es als Grundsatz, dass für eine Wohnung die Grundfläche für Haus,
Hof und Garten nicht unter 300 qm betragen sollte. Außerdem wurde auf
Wunsch der Bergarbeiterfamilien auch Gartenland von 400 qm Größe
jährlich pachtweise um einen ganz geringen Betrag überlassen.
Neben den größtenteils noch erhaltenen Bergarbeitersiedlungen, deren
Straßennamen fast alle von den Vornamen leitender Persönlichkeiten
abgeleitet sind, erinnert heute die nicht mehr kahle schwarze, sondern freundlich
grün bewachsene Bergehalde und das noch erhaltene große Werksgebäude
der früheren Reparaturwerkstätte an die Bergbauepoche von Baesweiler.
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