Bergbau (1): Das Abteufen der Schächte
Abteufarbeiten in den Schächten
Die Abteufarbeiten hatten unendliche
technische Schwierigkeiten zu überwinden, die durch den Mangel an geschulten
Facharbeitern und an den nötigsten Materialien während der langen Kriegszeit
noch erheblich verstärkt wurden. Die Fertigstellung der beiden Schächte gelang
erst in den Jahren 1919 und 1922. Dreimal wurden die Abteufarbeiten durch
Schlammeinbrüche schwer gefährdet, der Arbeitsfortschritt zurückgeworfen und
die Kosten stark erhöht. Die mit so großen Opfern errungenen Schächte wollten
die Besitzer auch in der vollkommendsten Weise für die Zukunft sichern und
schützen. Man begnügte sich deshalb nicht mit dem einfachen Tübbingausbau,
wie er bei weniger tiefen Schächten und bei günstiger Beschaffenheit des Deckgebirges
genügt, sondern man hatte sich schon von Anfang an entschlossen, zwischen
Gebirge und Tübbingsäule einen mächtigen eisenarmierten Betonmantel einzufügen.
Die enormen Schwierigkeiten beim Niederbringen der Schächte veranlassten später
das Vorsetzen eines zweiten Tübbingmantels vor den ersten Ausbau auf die ganze
Schachthöhe und zwischen diese beiden Tübbingsäulen fügte man noch eisenarmierten
Beton ein, so dass der ganze Schacht durch doppelte Tübbingsäulen gesichert
ist. Auf einen Teil des Schachthorizontes aber, in welchem der Druck der umgebenden
Sand- und Wassermassen so groß war, dass die Gefriermauer beim Abteufen nicht
standhalten konnte, weil ihr Eis unter dem gewaltigen Druck plastisch wurde
und die Frostmauer in den Schacht hineinwanderte, hatte man sich schon beim
Abteufen gezwungen gesehen, eine äußere Tübbingsäule aus Tübbingen von 7,3
bis 7,5 m Durchmesser und nur in 50 cm bis 1 m Höhe einzuschalten. Dieser
Tübbingpanzer gegen das plastische Eisgebirge wurde angewandt im Schacht I
in den Horizonten von 348 & 382 m, im Schacht II von 320 & 375 m. Der doppelte
und dreifache Tübbingausbau in den beiden Schächten und dessen Verstärkungen
durch Eisenbeton-Säulen wurden sorgfältigst auf dem Wege des Zementierens
gedichtet.
Wenn nun mit diesem Ausbau gegen konzentrischen Druck das
Menschenmögliche an Sicherheit geboten war, so mussten die Schächte außerdem
gegen Seitenverschiebungen jeglicher Art, wie sie in erster Linie durch die
Einwirkungen des Bergbaues drohen, geschützt werden. Daher entschloss man
sich, um die Schächte herum einen Sicherheitspfeiler von 1,2 km Durchmesser,
vom Abbau verschont, rund um die Schächte stehen zu lassen. Ein derart großer
Sicherheitspfeiler bedingt von Anfang an bedeutende Entfernungen der Abbaugebiete
von den Schächten und daher die Einrichtung sehr vollkommener Verkehrshilfsmittel.
In diesem Sinne sind die Füllörter ausgeführt; sie bieten die Möglichkeit,
bei der Produktenförderung große Mengen zu bewältigen und bei der Seilfahrt
jegliches Gedränge in Schachtnähe bei An- und Ausfahrt der Belegschaft zu
vermeiden.
Das obige Bild "Füllort am Förderschacht, Gewerkschaft Carl-Alexander"
des Kunstmalers Julius C. Turner, zeigt die wuchtige Gestaltung dieses Raumes,
lässt die zahlreichen Gleise, die hier gewissermaßen an den unterirdischen
Grubenbahnhof münden, erkennen und zeigt neben zwei Produktenzügen, die aus
dem Felde angekommen sind und von der Grubenförderung der Schachtförderung
zu Tage übergeben werden sollen, auf der linken Bildseite einen für die Fahrt
ins Feld bereitgestellten Personenzug mit Bergarbeitern. Die Transporte werden
durch Hochdrucklokomotiven für komprimierte Luft von 200 Atmosphären ausgeführt;
auf der rechten Seite erscheint eine solche Lokomotive ausgeführt. Die Lokomotive
selbst wiegt 9 Tonnen, befördert 90 mit Kohle beladene Förderwagen, das sind
rund 65 Tonnen Kohlenladung oder 180 Mann Belegschaft auf einmal mit 0,4 m
pro Sekunde Geschwindigkeit. Die Pressluft wird mit einer Spannung von 6 Atm.
aus der Zentralmaschinenhalle über Tage durch den Förderschacht in eine Hochdruck-Kompressorenkammer
auf der Tiefbausohle bei 625 m geleitet und hier auf die Betriebsspannung
der Lokomotiven weiterkomprimiert.
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