Bergbau (2): Die Kohlengewinnung und Förderung
Fortsetzung der Reihe zum Bergbau von
Kurt Fassbinder
(
1.Teil)
Neben den bereits beschriebenen unterirdischen Maschinenanlagen ist noch
die unterirdische Wasserhaltungsanlage zu erwähnen, die in der Pumpenkammer,
zur Aufstellung gelangte. Sie bot die Möglichkeit, mit drei elektrisch
angetriebenen Hochdruckzentrifugal-Pumpen je 5 cbm Wasser in der Minute zu
Tage zu fördern. Der Wasserzufluss betrug seit einer Reihe von Jahren
konstant 750 Minutenliter.
Es befanden sich 1928 sieben Flöze im Abbau. Die durchschnittliche Kohlenmächtigkeit betrug nach der Förderung
des Jahres 1927 errechnet 1,2 m je Flöz. Die Kohlengewinnung erfolgte vorwiegend durch streichenden Strebbau mit
Schüttelrutschenstößen von 80-100 m Länge bei Anwendung vollkommenen Bergversatzes. Dieser wurde so geführt,
dass die durch Ausbeutung der Kohle entstehenden Hohlräume unmittelbar anschließend mit Bergen zugepackt
wurden. Zu diesem Zwecke befand sich neben der Schüttelrutsche, welche dicht neben dem Kohlenstoß die Aufgabe
erfüllte, die vom Stoß hereingewonnene Kohle in der Fall-Linie des Flözes nach der nächsten Förderstrecke zu
transportieren, eine zweite Schüttelrutsche unmittelbar vor dem Bergestoß, welche die für den Bergeversatz
bestimmten Gesteinsmassen in den Abbau transportierte. Durch die Anwendung des vollkommenen Bergversatzes
wurde nicht nur die für das Gelingen dieser Abbaumethode nötige vollkommene Unterstützung des Dachgesteins
erreicht, sondern es wurde auch die Bildung von Hohlräumen in dem abgebauten Felde -Alter Mann- vermieden,
welche zur Ansammlung schädlicher Gase Gelegenheit boten. Bei Schwankungen des Barometerstandes oder
Niedergehen des Dachgesteins können solche Hohlräume Anlass zum Austritt von gefährlichen Gasen in die
Arbeitsstätten der Bergleute bieten.
Die durch die Schüttelrutschen, Förderstrecken, über Bremsberge
oder Blindschächte und schließlich auf der Bausohle mit Lokomotiven
zum Füllort gebrachten Kohlen gelangten auf dem Wege der Schachtförderung
in Förderkörben zu vier Etagen für je zwei Förderwagen
durch die Schächte zu Tage. Die Kohlenförderung nahm einen bescheidenen
Anfang mit 8 217 Tonnen im Jahre 1921. Im Jahre 1922 betrug sie 26 809 Tonnen,
1923 nur 26 183 Tonnen, 1924 wurden 108 589 Tonnen gefördert, 1925 waren
es 231 034 Tonnen, sie steigerte sich auf 415 338 Tonnen im Jahre 1926 und
1927 betrug sie 513 795 Tonnen. Für 1928 auf 700 000 Tonnen projektiert.
Sämtliche Anlagen für den endgültigen Ausbau des Werkes über
und unter Tage waren auf eine Jahresproduktion von 1 200 000 Tonnen ausgelegt.
Die Zeche verfügte über drei Dampffördermaschinen, von denen
eine hier bildlich wiedergegeben ist, über eine Dampfkesselanlage mit 7
Wasserrohrkesseln zu je 330 qm Heizfläche, außerdem als Reserve über
eine elektrische Hochspannungsleitung von 5000 Volt Spannung, welche die Zeche
Carl-Alexander mit der Nachbarzeche Carolus-Magnus verband und die Möglichkeit
des Austausches elektrischen Stromes bot. Ferner waren als Reserve für
ganz außergewöhnliche Fälle des Versagens der Dampfkraftquelle
und der Zuleitung von elektrischer Kraft vom Nachbarwerk zwei Daimler-Diesel-Motoren
von je 1250 PS Leistung in der Zentralmaschinenhalle aufgestellt. Sie waren
als Antriebsmotore für Unterseebootkreuzer bestimmt und befanden sich abnahmebereit
auf dem Probierstande, als der Zusammenbruch des Waffenwiderstandes im Jahre
1918 erfolgte. In der Maschinenhalle befanden sich außerdem zwei Kolbenkompressoren
für eine Leistung von 6000 und 13000 cbm und ein Turbokompressor für
35000 cbm angesaugte Luft pro Stunde, ferner drei Dampfturbinen System Brown-Boveri,
davon zwei für je 1400 KW und eine für 3000 KW Leistung. Die elektrischen
Maschinen versorgten nicht nur das Werk über und unter Tage mit Strom für
Licht und Kraft, sondern auch die benachbarten Ortschaften und Kolonien der
Bürgermeisterei Baesweiler und die Kolonie Boscheln. Eine der Größe
der geschilderten Maschinenanlagen entsprechende Reparaturwerkstätte, fast
von der Ausdehnung einer kleinen Maschinenfabrik, hat die Bergbauepoche unserer
Stadt überlebt und ist heute noch das markanteste Bauwerk auf dem ehemaligen
Zechengelände.
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