Bergbau (3): Die Ankunft der Kohle über Tage, ihre Aufbereitung und Versand
Fortsetzung der Reihe zum Bergbau von Kurt Fassbinder
(
1.Teil -
2.Teil)
Wir haben in der Grube im Füllort die Stätte gesehen, wo die Kohle
ihre Reise zu Tage antritt. Die nun eingefügten beiden Bilder "Hängebank"
und "Wipperhalle" mit ihren selbsttätigen Wagenumläufen zeigen die
Ankunft der Kohle über Tage.
Sie gelangte von hier über Sturzvorrichtungen (Wipper) zum Teil zunächst
auf Lesebänder, wo aus der Stück- und Förderkohle taubes Gestein
durch Menschenhand ausgelesen und in bereitstehende Eisenbahnwaggons gekippt
wurde. Die Kohle unter 80 mm - von Faustgröße bis Staub - wurde
über Transportbänder und Becherwerke zur Sortierung, Reinigung von
tauben Beimengungen und Veredelung der Aufbereitungsanlage "Kohlenwäsche"
zugeführt. In der Kohlenwäsche befanden sich die Waschvorrichtungen
"Setzmaschinen", in welchen das Waschrohgut nach dem Prinzip des spezifischen
Gewichts geschieden wurde in leichtere, aschearme Kohle und in taube, schwere
Beimengungen von mitgefördertem Haufwerk des Nebengesteins (Waschberge).
Eine sehr vollkommene Flotationsanlage von 18 Zellen übernahm die Aufbereitung
der Kohle ganz feinen Korns, und zwar nicht erst aus den schlammigen Abgängen
des Wäscheprozesses, sondern schon aus dem Waschrohgut vor Beginn des
Setzkastenprozesses. Hierdurch wurde der letzte Prozess wesentlich entlastet
und eine gleichmäßige Erreichung aschearmen Korns in den Endprodukten
sichergestellt.
Die eingefügten Luftbildaufnahmen aus dem Jahre 1928, mit der Außenansicht
von Separations- und Wäschegebäude mit Verladeeinrichtungen und
Bahngleisen zeigen den Umfang dieser Einrichtungen, von welchen die Kohlenwäsche
zunächst nur die Hälfte ihres endgültig, nach vollem Ausbau
des Werkes gedachtem Umfang darstellt.
Aufnahmen der Schachtanlage von Nordosten Aufnahme der Schachtanlage von Südosten
In der Aufbereitungsanlage des Werkes wurde die schon von der Natur durch
Aschearmut und hohen Heizwert bevorzugte Kohle von Carl-Alexander in sorgfältigster
Weise gereinigt, sortiert und zu durchaus gleichmäßig anfallenden
Produkten gestaltet. Die Kohle erschien im Handel als Halbfettkohle mit 13
bis 16 Prozent flüchtigen Bestandteilen in den Sorten Stückkohle
über 80 mm, Nuß I 80 bis 50 mm, Nuß II 50 bis 30 mm, Nuß
III 30 bis 20 mm, Nuß IV 20 bis 10 mm, Nuß V 10 bis 6 mm und Feinkohle
6 bis 0 mm bzw. 10 bis 0 mm. Sie war vorzüglich geeignet für Lokomotivbrand
in den Stücken, als Hausbrand in den gröberen Nuß-Sorten,
als Industriekohle und zur Dampfkesselheizung mit mechanischen Feuerungen
in den kleineren Nuß-Sorten und in der gewaschenen Feinkohle, sowie
vornehmlich in letzterer Sorte als Veredelungskohle für den Kokereiprozess
in Mischung mit gasreichen Kohlen, welche für sich allein ungenügend
festen Koks liefern. Die Feinkohle wurde wegen ihres geringen Aschen- (5 -
5,8%) und Schwefelgehalts (0,6 bis 0,7%) einerseits und hohem Bitumengehaltes
andererseits besonders für hochwertigen Gießereikoks bevorzugt.
Umfangreiche makroskopische Untersuchungen und Verkokungsproben hatten zu
der Erkenntnis geführt, dass es möglich ist, die in der Feinkohle
vorhandenen Fusite (Faserkohlen-Bestandteile) auszuscheiden und dadurch die
Feinkohle für die geschilderten Aufgaben noch wertvoller zu machen. Fortlaufend
wurden jeden Tag mehrmals sämtliche Produkte durch Analysieren im Laboratorium
auf ihre Beschaffenheit geprüft. Seit Inbetriebsetzung der Wäsche
im November 1925 betrugen die Aschegehalte in Prozenten:
1925 bei Nüssen I 4,15 II 4,22 III 4,44 IV 4,56 bei Feinkohle 5,05; 1926
bei Nüssen I 3,59 II 4,24 III 4,71 IV 5,08 V 5,06 bei Feinkohle 5,07;
1927 bei Nüssen I 4,84 II 4,98 III 5,20 IV 5,64 V 4,76 bei Feinkohle
4,63; in den ersten drei Monaten 1928 wurden ähnliche Ergebnisse analysiert.
Bei einer vom Dampfkessel-Überwachungsverein Aachen durchgeführten Reihe von
Verbrennungsversuchen, welche die Prüfung von Wanderrosten betrafen, die bei der Zeche zum
Einbau gelangt waren, ergab sich mit einer Feinkohle von 5,4% Asche, 10,03% Wasser und
14,69% flüchtigen Bestandteilen so guter Ausbrand, dass nur 1,793% Brennbares in der Asche
verblieben war. Bei den Versuchen wurde eine Verdampfungsziffer von 7,7 kg Normaldampf pro
Kilogramm verbrannter Kohle erzielt.
Zahlreiche Vergleichs-Heizversuche auf privaten Kesselanlagen haben bewiesen, dass die Carl-Alexanderkohle in Bezug auf Qualität und Heizergebnis an erster Stelle stand.
Aus dem Schaubild über die Ausdehnung des Grubenfeldes von Carl-Alexander
ging hervor, dass der größte Teil des Feldes nach Norden zu Aufschlüsse
an höheren Flözen der Alsdorfer Gruppe bringen musste. Hiermit wurden
immer gasreichere und für die Verkokung für sich allein geeignetere
Kohlen erschlossen. Sobald diese Aufschlüsse genügten, um die daraus
anfallende Kohle für sich allein aufzubereiten, sollte die vorerwähnte
zweite Hälfte des Wäschegebäudes ausgeführt werden. Die
Separation war bereits in einem Umfange angelegt, der auch für diesen
Fall genügte; es war hier noch Platz für zwei weitere Wipperanlagen
mit Lesebändern.
Bei der durch vorgegebene Qualitätszahlen nachgewiesenen Güte der
Produkte von Carl-Alexander gelang es, trotz der raschen Steigerung der Förderung,
die Erzeugung immer schlank abzusetzen und auch in Zeiten stockenden Absatzes,
die Anschüttung von Kohlenhalden zu vermeiden. Der Absatz verteilte sich
im Jahre 1927 in folgendem prozentualen Verhältnis des Verkaufs: Deutschland
50%, Belgien 25%, Frankreich 20%, Schweiz 3%, sonstige Länder 2%.
Die Kohlen der Zeche Carl-Alexander wurden über eine Grubenanschlussbahn von 5,5 km Länge
dem Reichsbahnnetz der Reichsbahn beim Güterbahnhof Nordstern an der Strecke Stolberg-Herzogenrath zugeführt. Die Wasserstraße des Rheins war nur über die Reichsbahn auf der Strecke
Nordstern - Neuß mit 73 Tarifkilometern oder Nordstern - Köln mit 83 Tarifkilometern
erreichbar.
Bei Schilderung der Fördersteigerung wurde oben bereits bemerkt, dass
die Jahresproduktion von 1,2 Millionen Tonnen erreicht werden soll. Da im
Norden des Aachener Reviers außer Carl-Alexander noch zwei große
Steinkohlezechen in ähnlicher Entwicklung begriffen waren, hatten auch
die alten Werke, um ihren Aufgaben zu genügen, ein wesentliches Vergrößerungsbedürfnis.
Der normale Bevölkerungszuwachs des Gebietes genügte selbst nicht,
um diese Förderung zu leisten. Neben einem beträchtlichen Prozentsatz
von Angehörigen angestammter Bergmannsfamilien aus den benachbarten Ortschaften
setzte sich 1928 die Belegschaft von Carl-Alexander aus Bergmannsfamilien,
welche nach dem Kriege aus Elsass-Lothringen hier Unterkommen gefunden hatten,
aus vertriebenen oberschlesischen Bergarbeitern, aus Ruhrbergleuten, die infolge
der Rationalisierung mit Stilllegung einer großen Anzahl von Zechen
arbeitslos geworden waren und aus Saarbergleuten, welche durch die Belegschaftsverminderung
im französischen Saarbergbau ihre Arbeitsstätten verloren hatten,
zusammen. Die Unterbringung und Bodenständigmachung stellten die Zechen
und die Wohlfahrtsorganisationen der öffentlichen Verwaltung vor schwere
Aufgaben.
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