Bergbau (4): Infrastrukturelle Maßnahmen
Fortsetzung der Reihe zum Bergbau von
Kurt Fassbinder
(
1.Teil -
2.Teil -
3.Teil)
Infrastrukturelle Maßnahmen
Wie die Gewerkschaft Carl-Alexander ihren Anteil an den Siedlungsaufgaben
zu lösen bestrebt war, wurde bereits im Artikel "Baesweilers Zechengelände
einst und jetzt" (Stadtinfo Baesweiler vom 17. Dezember 2002, Seite 12) gestreift.
Ihr Ziel war, einen sesshaften zufriedenen Bergarbeiterstamm in der Nähe,
aber nicht unmittelbar bei der Zeche allein, sondern auch im Anschluss an
die Nachbardörfer zu schaffen. Durch Vermeidung der Zusammenballung großer
Arbeitermassen in Riesenkolonien sollte einerseits einer Verteuerung der Lebensmittel
entgegengewirkt, andererseits bequeme Absatzgelegenheit für die landwirtschaftlichen
Produkte direkt vom Landwirt an die Arbeiter vermittelt werden. Ferner sollten
die Eigenbautätigkeit in allen Nachbardörfern belebt und gesunde Lebensbedingungen
in guter Landluft für die Bergarbeiter gefördert werden. Notwendig waren bei
solcher Regelung der Ansiedlung bequeme Verkehrsverhältnisse zur Arbeitsstätte.
An solchen wurde dadurch Vorsorge getroffen, dass über das Zechenanschlussgleis
beim Bahnhof Nordstern, eine Verbindung mit den Arbeiterzügen geschaffen wurde,
welche die Reichsbahn von der Stadt Aachen ins Bergbaurevier verkehren ließ.
Außerdem hatte die Zeche eine eigene Schmalspurbahn bis zur Arbeiterkolonie
Boscheln, welches Verkehrsmittel lediglich der Arbeiterbeförderung zu jedem
Schichtwechsel diente.
Die Schmalspurbahn des Kreises Geilenkirchen und die Normalspurbahn des Kreises
Jülich, mit ihrem Verbindungsbahnhof Puffendorf, stellten die Verbindung mit
den Ortschaften, welche nordwestlich bis Geilenkirchen und nordöstlich bis
Jülich liegen. Ortschaften, die sich abseits dieser Bahnstrecken befanden,
waren durch Verkehr von Zechenautobussen, große Wagen mit Sitzgelegenheit
für 55 Personen, der Arbeitsstätte nahegerückt.
Im Anschluss an die Zeche und in ihrem Einflussbereich waren auf dem rund
300 Hektar umfassenden Grundbesitz der Gewerkschaft Carl-Alexander vier Bergarbeitersiedlungen
errichtet worden. Im Frühjahr 1928 umfassten sie 719 Eigenwohnungen. Die älteste
dieser vier Kolonien lag unmittelbar bei der Schachtanlage und enthielt 67
von Beamten und höher qualifizierten Facharbeitern besetzte Wohnungen. Es
bestanden außerdem in Entfernungen von 2 bis 2,5 km eine Siedlungsgruppe am
südlichen Rande der Ortschaft Baesweiler mit 253 Wohnungen, eine weitere Siedlungsgruppe
am nördlichen Rande des Dorfes mit 252 Wohnungen, hiervon waren 112 im Frühjahr
1928 der Vollendung zugeführt. Die vierte Siedlungsgruppe mit 118 Eigenwohnungen
befand sich 2,5 km westlich der Schachtanlage im Anschluss an eine Bergarbeiterkolonie
der Aachener Bergmanns-Siedlungs-Gesellschaft mbH, deren Wohnungen mit Reichshilfe
für Aachener Bergleute bei voller Freizügigkeit in der Wahl der Arbeitsstätte
erbaut waren. Die Zeche besaß in den benachbarten Ortschaften Beggendorf,
Oidtweiler und Loverich verteilt noch zusammen 29 Eigenwohnungen. Sämtliche
erwähnten Siedlungen waren vorwiegend mit Ziegelsteinen aus der Zechen-Ringofenziegelei,
die eine Jahresproduktion von 5 Millionen Steinen hatte, erbaut worden. Bei
allen Wohnungsbauten galt es als Grundsatz, das für eine Wohnung die Grundfläche
für Haus, Hof und Garten nicht unter 300 qm betragen sollte. Außerdem wurde
auf Wunsch der Bergarbeiterfamilien noch Gartenland von 400 qm Größe jährlich
pachtweise um einen ganz geringen Betrag (eigentlich nur eine Anerkennungsgebühr
von wenigen Mark) überlassen.
Der nicht von den Werksanlagen für Betrieb und Verwaltung sowie von Siedlungsbauten
überdeckte Grundbesitz schloss neben etwa 150 Morgen an die Landwirte der
Umgebung verpachteten Ackerlandes zwei Hofgüter ein mit 265 und 305 Morgen
Land. Die Gutshöfe waren unter Bedingungen verpachtet, welche der Belegschaft
den Bezug von Milch, von jungen Schweinen für Hausmästung und im Bedarfsfalle
von Fleisch aus der landwirtschaftlichen Tierzucht sicherten.
Mit der Vergrößerung der Siedlungsanlagen sollte fortgefahren werden. Für
das Jahr 1928 waren außer den vorerwähnten 112 Wohnungen, welche bereits besetzt
wurden, weitere 156 Bergarbeiterheime projektiert und bereits in Ausführung.
In den vorbeschriebenen 719 Wohnstätten des Zechenbesitzes und in 140 Wohnungen
gemeinnütziger Unternehmen, bei welchen die Gewerkschaft Mitglied war, waren
damals 66% der Belegschaft untergebracht.