Von Reuschenberg im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg
von Hans Kunnes, Baesweiler
Bei dem Geschlecht
von Reuschenberg handelt es sich um die bedeutendste Adelsfamilie des Jülicher
Landes. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts gewannen die Reuschenbergs durch
eine weitreichende Verzweigung an Bedeutung. Nebenlinien bestanden zu Eicks,
Lupenau, Overbach, Rurich, Selikum und Setterich.
Als erste Jahreszahl für die Geschichte des Hauses steht
das Jahr 1390 urkundlich fest. Auf dem Stammschloß Reuschenberg bei Elsdorf saß
Johann von Reuschenberg; dessen Bruder Kuno von Reuschenberg erhielt durch
Heirat mit Nesa von Setterich die Herrlichkeit Setterich. Mit Kuno und Nesa
beginnt die nachfolgende Reihe. Nesa siegelt mit einem von Schindeln
begleiteten, aufrecht schreitenden Löwen (so siegeln die Frenz zu Frenz und die
Herren von Limburg). Der Sohn siegelt mit dem ReuschenbergWappen (Querbalken
überhöht mit drei Vögeln). Das Ehepaar hatte nur einen Sohn, nämlich Johann,
der mit Katharina von Heinsberg verheiratet war. Die Katharina war eine Tochter
eines HeinsbergLoon, Bastard einer Engel de Pont. Letztere standen in
verwandtschaftlicher Beziehung zum Hause Louvenberg bei Wenau, welches
zeitweise im Besitz eines Harper von Frenz war; und dieser Harper kann bei der
Namensgebung des dritten Sohnes eine Rolle gespielt haben. Das Haus Reuschenberg
hatte später Erbanteile an Haus Louvenberg.
Am 12.04.1439 teilten die Gebrüder Konrad, Heinrich und Harper
die Güter ihrer Eltern. Konrad erhielt die Stammburg Reuschenberg bei Elsdorf mit
Zubehör und einen Weiher,
Land zu Paffendorf mit den dazugehörigen Lehnsgütern bei Giesendorf.
Heinrich fiel die Herrlichkeit Setterich zu.
Harper stritt sich mit dem Herrn von Virneburg um den Besitz
der Herrschaft Eicks bei Schleiden, welche den Reuschenbergs für 380 Goldgulden
verpfändet war; sie wurde ihm aber erst 1452 übertragen. Harper hinterließ nur
eine Tochter; und diese blieb unvermählt.
Alle Mitglieder, ihr Leben, ihre Besitzungen und ihre geschichtliche Bedeutung
zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. Drei Gruppen bedürfen
aber einer besonderen Erwähnung:
Das sind die Klosterfrauen, die Angehörigen des Deutschen Ordens und die Militärs.
Die mehr als 500jährige Geschichte dieses Geschlechts weist
in der Zeit von etwa 1350 bis ins 19. Jahrhundert 26 Klosterfrauen auf. Davon
ist ein beachtlicher Teil als Äbtissinnen in den niederrheinischen Klöstern vertreten. Unter den geistlichen
Herren befinden sich einige in mehr oder minder hervorragenden Positionen. Es
wirft ein außerordentlich günstiges Licht auf die Fähigkeiten und Leistungen
der Herren von Reuschenberg, welche dem Deutschen Orden angehörten. Allein von
1491 bis 1676 sind nachweislich acht, kurz hintereinander zu Komturen des
Deutschen Ordens berufen worden.
Es begann mit Conrad von Reuschenberg, der 1491 in
Siersdorf Komtur wurde; er war ein Sohn von
Heinrich von Reuschenberg und Gertrud von Ketge vom Haus Setterich. Conrad ließ
die 3. Kirche in Siersdorf im Jahre 1510 erbauen und stattete sie mit dem
flandrischen Altar von 1520 aus. Er wurde in "seiner Kirche“ am 17. Juni 1522 beigesetzt.
Ihm folgte Franz von Reuschenberg; er wurde 1518 durch seinen Onkel Conrad
dem Balleikapittel zur Aufnahme vorgeschlagen. Er war ein Sohn von Johann
von Reuschenberg und Maria von Grein zu Setterich. Er wird 1524 Komtur zu
Siersdorf und ist der Stifter der acht Langhausfiguren sowie des Chorgestühls
mit den Frührenaissancefüllungen von 1535 in der Kanzel. Franz stirbt am 23.
Mai 1547 und wird in der ehemaligen DeutschOrdensKirche in Siersdorf begraben.
Über diesen Komtur wird in der "Erkundung“ im Herzogtum Jülich im Jahre 1533
berichtet: "Der Komthur jagt gern, trinkt auch mit, wenn gute Leute kommen,
hält aber straffe Zucht und führt gein ergerlich leven“.
An hervorragender Stelle ist zu nennen: Heinrich von
Reuschenberg; er wurde 1528 als Sohn von Edmund von Reuschenberg und Phillipine
von Nesselrode auf der Burg Setterich geboren. Am 9. November 1547 erfolgte
seine Aufnahme in den Deutschen Orden; er machte dort eine glänzende Karriere.
In den ersten Jahren war er Kellermeister in der Kommende Neuenbiesen in
Maastricht. Ab 1550 bekam er die Aufsicht über die rheinischen Güter der Ballei
Aldenbiesen.1551 wird er Komtur der Kommende Ramersdorf bei Bonn. Von 1566 bis
1567 war er Komtur der Kommende Sankt Gilles (Ägidius) in Aachen. Ab 1566 wird
er Stellvertreter des Aldenbiesener Landkomturs Johann von Goer und vollendet
die im Bau befindliche Landkommende Aldenbiesen. Er kümmert sich zusätzlich
noch um die Kommenden Gruitrode und Siersdorf, die zu dieser Zeit nicht mit
einem Komtur besetzt sind.
Im Jahre 1572 wird er schließlich Landkomtur in
Aldenbiesen. In diese Zeit ist auch sein Vorhaben einzuordnen, die im Jahre
1542 zerstörte erste Kommende von Siersdorf neu zu erbauen. Im Jahre 1578 ist es dann so
weit: Heinrich von Reuschenberg, der auch Baumeister im Deutschen Orden war,
erbaut die zweite Kommende in Siersdorf. Doch damit noch nicht genug: Er erbaut
schließlich in Köln noch die Kommende Jungenbiesen, wo er dann schließlich am 30.
März 1603 im Alter von 75 Jahren verstirbt.
Edmund von Reuschenberg wird am 1. November 1553 als Sohn
von Wilhelm von Reuschenberg und Margaretha von Gülpen geboren. Er wird 1580
Komtur der Kommende Ramersdorf und schließlich am 30. Juni 1591 Komtur in
Siersdorf. Im Jahre 1607 erbaut er in Siersdorf den "Großen Hof“. Er stirbt am
8. Dezember 1623 und wird in der Bonner Münsterkirche begraben.
Es gibt aber noch weitere bedeutende Männer des Hauses Reuschenberg:
Burg Reuschenberg in Setterich
Johann von Reuschenberg aus Setterich; er war Rat und
Jülicher Marschall, Amtmann zu Wilhelmstein und Eschweiler seit 1566. In den
Jahren 1573 bis 1579 ist er Erzieher des Jülicher Jungherzogs. Bald nach dem
Brand von Jülich begann er dort mit dem Bau des sogenannten "Settericher Hauses“
am Ende der Bongardstraße; es wird 1620/21 das "Marschalckshaus“ genannt. Von
den Chronisten jener Zeit wird er als einer jener aufrechten Männer
geschildert, die auf dem Landtag in Düsseldorf am 12. Januar 1567 mit aller Festigkeit für den katholischen Glauben
einstanden. Er starb am 22. Februar 1597 im Alter von 74 Jahren und wurde zu
Köln bei den Karmelitern begraben.
Ein weiterer Johann von Reuschenberg, Sohn von Wilhelm von
Reuschenberg und Margarete von Gülpen aus Setterich, führte den hochklingenden
Titel Herr zu Overbach, Rochette, Erbmarschall des Fürstentums Limburg,
kaiserlicher Obert und zuletzt kursächsischer Oberhofmeister. Er wurde am 22.
Juni 1600 zum Amtmann von Jülich gewählt. Im
JülichKlevischen Erbfolgekrieg verteidigte er die Stadt Jülich bei der
Belagerung im Jahr 1610 gegen die Prätendenten PfalzNeuburg und Brandenburg
für den Kaiser. Seine Tapferkeit und das ausgeprägte Pflichtbewußtsein sichern
ihm in der Geschichte der Stadt Jülich einen ehrenvollen Platz.
Quellen:
- Hanns Merckens, Düsseldorf, 1983
- Jülicher Geschichtsverein, Jahrbuch 1999/2000, Hans Kunnes
- Die DeutschordensKommende Siersdorf, eine Niederlassung mit europäischer
Geschichte, Hans Kunnes 2002
- Denkmäler der Rheinprovinz, Paul Clemen 1902
- Ernst von Oidtmann und seine genalogischheraldische Sammlung 1999