Baesweilers Historie neu geschrieben
Baesweiler blickt auf eine 7000-jährige
Geschichte zurück und hat die Ursprünge in der Jungsteinzeit
Bisher stammte die erste urkundliche Erwähnung Baesweilers aus dem 14. Jahrhundert.
Jetzt legen archäologische Funde nahe, dass es schon in der jüngeren Steinzeit
beziehungsweise zur Römerzeit Ansiedlungen in Baesweiler gab.
Beide Funde hängen mit der Aufstellung von Flächennutzungs- bzw. Bebauungsplänen
zusammen. Das jeweilige Aufstellungsverfahren hat das Rheinische Amt für
Bodendenkmalpflege (RAB) auf den Plan gerufen.
1. Steinzeitsiedlung zwischen Parkstraße und Bahnhofstraße, Stadtteil Oidtweiler
Der Rat der Stadt Baesweiler hat in seiner Sitzung am 10.02.2004 den
Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan Nr. 81 - Bahnhofstraße II - gefasst.
Im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange teilte das RAB mit, dass auf
der Grundlage des Prospektionsergebnisses eine hinreichende Wahrscheinlichkeit
besteht, dass im Planungsareal vorgeschichtliche Siedlungsreste als ortsfeste
Bodendenkmäler enthalten sind. Bei den daraufhin durchgeführten Untersuchungen wurde
zwischen Parkstraße und Bahnhofstraße ein überregional bedeutendes ortsfestes
Bodendenkmal nachgewiesen.
Foto: Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Es handelt sich um Teile einer größeren
spätbandkeramischen (ca. 4.900 v. Chr.) grabenumwehrten Siedlung von gutem
Erhaltungszustand. Im Rahmen der Ausgrabung wurden ca. 1.200 Siedlungsbefunde
untersucht. Vorwiegend handelt es sich zum Teil um fundreiche Siedlungsgruben, Gräben,
einen Brunnen und Pfostengruben. Aus den zahlreichen Pfostengruben konnten bislang
16 größere Gebäudegrundrisse rekonstruiert werden, die aber aufgrund des
vorgegebenen Schnittrasters noch nicht vollständig freigelegt wurden.
Zwischenzeitlich hat die archäologische Fachfirma die zur Sicherung des
Bodendenkmals erforderliche Grabung abgeschlossen. Punktuelle Nachuntersuchungen
sollen mit Mitteln des RAB - Außenstelle Nideggen - über einen Zeitraum von ca. 3
Monaten im Sommer erfolgen.
Parallel hierzu kann nach dem Beschluss des Entwurfes des Bebauungsplanes Nr. 81
- Bahnhofstraße II - durch den Stadtrat in seiner Sitzung am 14.03.2006 mit dem
Umlegungsverfahren begonnen werden.
2. Via belgica, vici romani
Der Rat der Stadt Baesweiler hat in seiner Sitzung am 10.02.2004 die Aufstellung der 48.
Änderung des Flächennutzungsplanes zur Erweiterung des Gewerbegebietes
beschlossen.
Nach Bekanntwerden der Planungen im RAB erfolgte der Hinweis, dass die bekannte
Römerstraße Köln - Tongeren - Boulogne-sur-Mer das Plangebiet kreuzt. Die
archäologische Prospektion durch das RAB führte zu dem Ergebnis, dass sich im
Bereich der betroffenen Flächen nicht nur die ehemalige römische Staatsstraße, sondern
auch Reste einer bisher nicht bekannten kompakten Siedlung (vicus) aus der Römerzeit
über eine Länge von rund 850 m erstreckt, deren Bedeutung für das Rheinland erheblich
ist.
Foto: Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Am westlichen Rand des Rheinlandes gibt es nun den Glücksfall, dass zwei aufeinander
folgende zivile Siedlungen bekannt geworden sind: Zum einen den vorgenannten vicus an
der westlichen Grenze der Stadt Baesweiler unmittelbar östlich von Boscheln und zum
anderen den an beiden Ufern der Wurm auf niederländischem und deutschem Boden
gelegenen vicus von Rimburg.
Die Stadt Baesweiler hat zwischenzeitlich eine Umplanung des Gewerbegebietes
vorgenommen und beabsichtigt, gemeinsam mit den Projektpartnern Übach-Palenberg
und Landgraaf im Rahmen der EuRegionale 2008 die Römerstraße und die daran
gelegenen römerzeitlichen Siedlungen zu einem grenzübergreifenden, die Gemeinden
verbindenden, vorwiegend landschaftsplanerisch gestalteten "Archäopark"
zusammenzufassen.