Nachhaltige Textilien: Wiederverwendung statt Verschwendung

So lautet das Motto der Europäischen Woche der Abfallvermeidung 2022 in Deutschland.

Wie nachhaltig ist unser Umgang mit Kleidung?

Seit 2000 ist der Konsum an Textilien weltweit rasant gestiegen. Kleidung wird entsprechend der schnelllebigen Modetrends in immer kürzeren Abständen neu gekauft. Die Modeindustrie produziert bis zu 24 neue Kollektionen pro Jahr.

In Deutschland kaufen Verbraucher*innen im Schnitt circa 60 neue Kleidungsstücke pro Person und Jahr (ohne Wäsche, Strümpfe und Schuhe). Das entspricht etwa 6 Kilogramm an neuer Bekleidung jedes Jahr (Quelle: Greenpeace, Konsumkollaps durch Fast Fashion, 2017). Ein neues Kleidungsstück verbraucht bei der Herstellung – je nach Material – große Mengen an Wasser, Boden, Düngemittel, Erdöl, schadstoffhaltige Pestizide und Farbstoffe. Viele Kleidungsstücke werden jedoch nur wenige Male getragen, rund ein Viertel hängt ungenutzt im Schrank.

Den Überblick gewinnen

Die erste Anlaufstelle ist der eigene Kleiderschrank. Wie viele Kleidungsstücke befinden sich darin?  Laut Untersuchungen von Greenpeace besitzt im Schnitt ein Erwachsener zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland rund 95 Teile - auch hier, ohne Wäsche, Strümpfe, Schuhe und Spezialbekleidung wie Sportausrüstung zu zählen. Wenn das eigene Ergebnis deutlich über diesem Durchschnitt liegt, ist das ein erster Hinweis, sich Gedanken über einen bewussteren Kleidungskonsum zu machen.

Keine Impulskäufe

Der häufigste Grund für einen überfüllten Kleiderschrank ist der Impulskauf. Bei spontanen Entscheidungen wird häufig weder genügend auf Qualität und Wertbeständigkeit geachtet, noch die grundsätzliche Frage gestellt, ob das neue Teil wirklich notwendig ist.

Warum weniger kaufen mehr Gewinn bedeutet

Modedesignerin Vivienne Westwood empfiehlt beim Shoppen von Kleidung: „Kauft weniger, sucht sie sorgfältig aus, sorgt dafür, dass sie wertbeständig bleibt“ (Buy less, choose well, make it last). Sie plädiert damit für mehr Qualität statt Quantität. Anstatt drei preiswerte T-Shirts zu kaufen, die schon nach der ersten Wäsche die Form verlieren, investiert man deshalb besser einmal in ein teureres (und am besten fair hergestelltes) Qualitätsteil, das lange Freude bereitet, weil es Fasson und Farbe dauerhaft hält.

Nachhaltigkeit als neue Qualität – was bedeutet das im Hinblick auf die Produktion und den Einkauf von Kleidung?

Nachhaltige Mode (Fair Fashion, Eco Fashion, Sustainable Fashion, grüne Mode, Bio-Mode oder Öko-Mode) zu produzieren, bedeutet:

- Die Materialien stammen aus biologischem Anbau oder biologischer Tierhaltung.

- Es erfolgt kein Einsatz umwelt- oder gesundheitsschädlicher Chemikalien (z.B. bei Bio-Baumwolle).

- Es findet ein niedriger Ressourcenverbrauch (z.B. Energie und Wasser) statt.

- Es wird unter fairen Arbeitsbedingungen (angemessenen Arbeitszeiten, fairen Löhnen, Arbeitsschutz, keine Kinderarbeit, soziale Absicherung der Beschäftigten) produziert.

- Es wird auf Langlebigkeit und gute Verarbeitung Wert gelegt.

Nicht jedes nachhaltige Modelabel ist trotz dieser Anforderungen deutlich teurer als „Fast-Fashion“-Anbieter. Auf die Lebensdauer bezogen, ist ein etwas höherer Preis häufig auch angemessen. Verschiedene Gütesiegel stellen heute bereits sicher, ob und welche der verschiedenen Kriterien eingehalten werden (zum Beispiel das GOTS Siegel). Im Internet können sich Konsument*innen vor dem Kauf näher über die Produktanforderungen der verschiedenen Siegel informieren.

Alternative: „Aufputzen“ und länger nutzen

Reparatur und Upcycling sind nachhaltig und liegen sehr im Trend. So können zum Beispiel Blusen, Blazer und Hosen repariert oder kreativ und modisch aufgewertet werden. In vielen Städten bieten Organisationen, Repair Cafés, Volkshochschulen oder Schneider*innen hierzu Workshops an. Mit einem sehr guten Nebeneffekt: Je länger unsere Kleidungsstücke genutzt werden, desto nachhaltiger ist ihre Nutzung und umso besser ihre Ökobilanz.

Alternative: Zweite Hand oder Tauschen

Für alle, die häufiger ihren Look ändern und auf ein günstiges Shopping-Event nicht verzichten wollen, ist „Secondhand“- Kauf im Laden oder online eine nachhaltige Alternative zu einem neuen Kleidungsstück.

Und wer zusätzlich ein spannendes Event mitnehmen möchte, geht am besten zu einer Kleidertausch-Party, bei der man gebrauchte Kleidungsstücke gegen andere bereits getragene Teile eintauschen kann. Das ist beides nicht nur nachhaltig, weil es die Nutzungsdauer verlängert, sondern macht auch noch Spaß und bietet Gelegenheit zum Kontakt mit Gleichgesinnten.

Weitere Informationen erhalten Sie bei der Abfallberatung der AWA GmbH unter Telefon: 02403/8766-353 oder www.abfallberatung@awa-gmbh.de