Glückauf Bacchus baut Wein auf der Emil-Mayrisch-Halde an

04 Nov 2019

Es ist Neuland, auf das sich Dr. Christian Winde aus Baesweiler und seine Mitstreiter Thomas Klee und Josef Clahsen derzeit begeben. Denn so etwas wie sie, hat in dem Ausmaß noch keiner vor ihnen gemacht: Auf der Halde Emil-Mayrisch, genauer gesagt, auf dem Teil, der auf Baesweiler Stadtgebiet liegt, bauen die drei als Glückauf Bacchus GbR Wein an. 400 Reben haben sie dazu im Mai dieses Jahres auf dem rekultivierten Bereich der Halde gepflanzt. Der Eschweiler Bergwerksverein stellt rund 1000 Quadratmeter große Fläche für das Projekt zur Verfügung und unterstützt die Gesellschaft bei der Kultivierung. Vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung wurde der Bereich bereits als Weingut anerkannt, es ist somit Deutschlands westlichstes Weingut.

„Wir sind noch in der Pilotphase“, erklärt Winde. Nächstes Jahr werde man auswerten, wie das Wachstum der Pflanzen läuft und dann die Fläche gegebenenfalls sogar erweitern. Mit drei pilzresistenten Sorten, die sich für den ökologischen Weinbau eignen, ist die Glückauf Bacchus GbR gestartet: Aus Trauben der Sorten Solaris, Cabernet blanc und Johanniter soll in wenigen Jahren der erste Wein entstehen. „Wir rechnen damit, dass die Reben, die wir jetzt gepflanzt haben, 2022 vollen Ertrag bringen. 2021 reicht es vielleicht schon für Federweißer“, sagt Winde, der 2006 von Rheinhessen nach Baesweiler zog und dem die Idee zum Weinanbau bei einer Joggingrunde entlang der Halde kam. Nach der Ernte der Trauben soll eine Kellerei die Früchte zu Wein verarbeiten. Er und seine zwei Kollegen legten den Fokus lieber auf die Arbeiten am Weinberg, so Winde.

Da ihr Projekt so besonders ist, ist auch die Hochschule Geisenheim University, die an Anbausystemen für Weinbau forscht, direkt mit eingestiegen. 75 unterschiedliche Rebsorten hat die Hochschule für Emil-Mayrisch zur Verfügung gestellt, um zu testen, welche Pflanzenarten sich für einen solchen Standort eignen. Auch die RWTH Aachen mit ihrem Institute of Mineral Resources Engineering (MRE) kooperiert mit der Gesellschaft. Sie untersucht, welchen Einfluss die Beschaffenheit der Halde auf das Wachstum der Reben hat. „Vor 20 Jahren noch wäre es undenkbar gewesen, hier in der Region Wein anzubauen. aber durch die Folgen des Klimawandels geht das mittlerweile“, sagt Winde, der hauptberuflich in der Entwicklungsabteilung der Firma Lumileds Germany GmbH arbeitet und schon vor dem Projekt in seinem Garten Reben angebaut hat.

Vor kurzem hat die Glückauf Bacchus GbR gemeinsam mit den Hochschulen und dem EBV einen Förderantrag an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt eingereicht. Es geht um „Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung in Nutzlandschaften und Schutzgebieten“, in diesem Fall kurzum darum, auf welche Art man Bergbauhalden rekultivieren kann und ob sie sich für den Weinanbau eignen. Sollte der Antrag bewilligt werden, wird Baesweiler Forschungsstandort.

Es liegt also noch viel Arbeit vor den dreien. „Wir sehen uns spätestens auf dem Baesweiler Weinfest 2022“, verspricht Winde. Dort wollen sie dann ihren ersten Wein von der Halde Emil-Mayrisch an Kunden ausschenken.

 

Foto: Glückauf Bacchus GbR

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