Baesweiler im Wandel

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

es ist in diesem Jahr 100 Jahre her, dass die Zeche Carl-Alexander erstmals förderfähig war und Kohle lieferte – es folgten Jahre voller Profit, aber auch schwierige Zeiten. Nach dem Ende des Bergbaus hat unsere Stadt den Strukturwandel gemeistert, das war eine große Herausforderung. Lassen Sie uns anlässlich des Jubiläums einmal zurückblicken.

Schon vor dem ersten Weltkrieg im Jahr 1906 verkauft der EBV seine Abbaurechte im Raum Baesweiler-Geilenkirchen, der bis dahin für die landwirtschaftliche Nutzung bekannt war, an die „Gewerkschaft Carl-Alexander“. Rasch folgen das Abteufen von zwei Schächten, der Ausbau von Anlagen über der Erde, einer Grubenbahn Richtung Alsdorf-Herzogenrath und erste Bergarbeitersiedlungen an der Carlstraße und Jülicher Straße. Der Bau der Zeche geht schnell voran, bis der Erste Weltkrieg die Arbeiten stoppt. 70 russische Kriegsgefangene arbeiten während des Krieges zwar auf der Zeche, doch es fehlt an fachlich versierten Arbeitskräften. Nach dem Krieg steigt die Förderung stark an, Arbeitskräfte aus allen Gegenden Deutschlands werden angeworben. Alleine aus Elsass-Lothringen suchen 179 Flüchtlinge eine Beschäftigung auf der Zeche. Waren im Jahr 1910 noch 80 Menschen dort eingestellt, sind es 1930 schon 2200. Während des Zweiten Weltkrieges werden Niederländer dienstverpflichtet sowie Zivilarbeiter aus Frankreich und Belgien. Auch russische Kriegsgefangene werden wieder eingesetzt. Ein Grabfeld russischer Gefangener auf dem Baesweiler Friedhof zeugt von dieser Zeit.

Nach dem Krieg wächst die Zahl der Einwohner in Baesweiler stark. Lebten zur Zeit der Evakuierung nur noch 1413 Menschen in Baesweiler, steigt die Zahl bis 1948 sogar schon über den Vorkriegsbestand auf 9957 an. Auf der Zeche wird eine Kokerei mit 50 Öfen gebaut, technische Anlagen werden erneuert. Das steigert den Ertrag enorm. Teilweise werden auf Carl-Alexander mehr als eine Million Tonnen Kohle pro Jahr gefördert. Die Zechen der Region sind der wichtigste Arbeitgeber für die Baesweiler Bürger. Im Jahr 1961 ist mehr als jeder Zweite der 6000 Beschäftigen in Baesweiler auf einer Zeche tätig.

Auch die Grube Emil-Mayrisch im benachbarten Siersdorf braucht viele Arbeitskräfte. Flüchtlinge aus den Ostgebieten und sogenannte Gastarbeiter, u.a. aus Jugoslawien, Italien und Marokko, werden angeworben. Die Einwohnerzahl Setterichs, das damals noch dem Amtsverband Immendorf-Würm angehörte und anschließend 1962 selbstständig wurde, steigt so in nur 13 Jahren von 1210 (1950) auf 6000 (1963).

Auch die Anzahl derer, die auf Carl-Alexander arbeiten, geht kontinuierlich in die Höhe: Im Jahr 1965 sind es 2700 Menschen – so viel wie nie. Doch Carl-Alexander kommt nicht gegen die internationale Konkurrenz und Energiegewinnung mittels Öl- und Gasimporten an. Die Grube wird stillgelegt. Der Eschweiler Bergwerks-Verein übernimmt sie und auch ihre Beschäftigen. 1975 schließt die Zeche in Baesweiler schließlich offiziell. Der mit Abstand größte Arbeitgeber geht verloren. Ersatzarbeitsplätze waren nicht geschaffen worden. Die Stimmung ist äußerst schlecht, es werden schwarze Fahnen gehisst.

Die Bergarbeiter finden in den umliegenden Zechen schnell neue Arbeit. Sie pendeln in die Nachbarstädte, um dort auf den Zechen zu arbeiten. Doch das schlägt sich auf den Einzelhandel nieder: Dadurch dass mehr Arbeiter in die Nachbarstädte fahren, wird in Baesweiler weniger eingekauft. Die Stadt nimmt weniger Geld durch die Gewerbesteuer ein. Auch auf wirtschaftspolitische Entscheidungen der Nachbarstädte hat Baesweiler keinen Einfluss. Um finanziell besser aufgestellt und auch unabhängiger zu sein, entwickelt die Verwaltung Mitte der 80er Jahre eine Strategie, um die Wirtschaft wieder zu stärken. Ein großes Gewerbegebiet soll entstehen, Ackerland wird zu Industriefläche umgewidmet. Unternehmen sollen sich ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen. Deshalb wird 1990 das Internationale Technologie- und Service-Center (its) gegründet. Es ist die Anlaufstelle für Firmen und Gründer, die sich in Baesweiler niederlassen wollen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die Gründung des its ist nun fast 30 Jahre her. Zahlreiche Firmen haben sich in dieser Zeit im Gebäude des its im Gewerbepark niedergelassen. Aktuell nutzen bis zu 40 Betriebe die Räume und den Service des Centers, das ein Gelände von 16.000 Quadratmetern fasst. Das Gewerbegebiet selbst ist mittlerweile auf mehr als 82 Hektar angewachsen und wird derzeit um neun Hektar erweitert. Mehr als 190 teilweise internationale Unternehmen mit über 4200 Beschäftigen sind dort angesiedelt, in bedeutendem Maße aus der Life-Science- und Biotechnologiebranche sowie aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Kunststofftechnik und Telekommunikationstechnik.

Rund 30 Jahre Wirtschaftsförderung haben sich ausgezahlt. Baesweiler hatte sich zunächst von einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet zu einem Kohlestandort entwickelt. Die Zeit des Bergbaus hat unsere Stadt geprägt und ist ein bedeutsamer Teil der Stadtgeschichte. Seit 30 Jahren steht die Stärkung der Wirtschaft im Fokus. Baesweiler hat sich zu einem modernen Industrie- und Gewerbestandort entwickelt, der für die Entwicklungen der Zukunft nicht nur gewappnet ist, sondern selbst zum Fortschritt beiträgt. Durch die Ansiedlung von klein- und mittelständischen Betrieben sind Tausende Arbeitsplätze in Baesweiler für die Baesweiler Bürgerinnen und Bürger auch für die Zukunft gesichert. Wachstum und finanzielle Sicherheit sind die Folge. Dass das so bleibt, dazu tragen auch Sie täglich bei, und daran möchte ich gemeinsam mit Ihnen auch künftig arbeiten.

Ihr

Dr. Willi Linkens
Bürgermeister

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