Gedanken zum Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

am 11. November jährt sich zum 100. Mal das Ende des schrecklichen 1. Weltkrieges.

Dies hat neben mir auch mein französischer Amtskollege und Bürgermeister unserer Partnerstadt Montesson zum Anlass genommen, sich in einem Grußwort an Sie zu wenden, das Sie sowohl in französischer Sprache als auch in deutscher Übersetzung lesen können.

Der 1. Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 in Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien zum Tod von 16 Millionen Menschen führte, war der Beginn von schrecklichen, menschenverachtenden Materialschlachten im letzten Jahrhundert. Allein 134 Männer aus unserer Stadt fielen in diesem Krieg. Ohne nennenswerten Grund begann er am 28. Juli 1914 mit dem Attentat von Sarajevo und zahlreicher Kriegserklärungen. Deutschland kämpfte mit Österreich-Ungarn vorwiegend gegen Frankreich, Großbritannien, Russland und später den USA. Zum ersten Mal fanden Luftkrieg, U-Boot-Krieg und Gaskrieg statt. Diese katastrophale Tötungsmaschinerie war von Brutalität, Menschenverachtung und Gewalt begleitet, wie dies zuvor nicht vorkam.

Schlimm ist, dass dieser 1. Weltkrieg und die von den Nationalsozialisten behauptete ungerechte Behandlung Deutschlands die Ursache für den 2. Weltkrieg war mit der Kriegsfolge Millionen toter Soldaten, Kriegsflüchtlingen und Naziopfern.

Vor 100 Jahren am 11. November 1918 endete der 1. Weltkrieg mit dem Waffenstillstand von Compiègne. Eine der bedeutenden Ursachen beider Weltkriege war in der Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu sehen. Über Jahrhunderte waren beide Länder Erzfeinde.

 Die französisch-deutsche Versöhnung und die daraus geborene europäische Idee schafften endlich Frieden. Die Bedeutung lässt sich nur erkennen, wenn man sich daran erinnert, dass diese Versöhnung aus Ruinen und Hass gebaut wurde. Wir sind uns heute bewusst, wie viel Überzeugungsarbeit Adenauer und de Gaulle benötigten, um ihre Nationen zum Frieden zu führen. Heute können wir glücklich sein, dass ein Friede entstanden ist, der damals in so unendlich weiter Ferne schien. Jedoch nicht nur die Politiker gingen den Weg des Friedens. Erstaunlich war, dass beide Völker ihnen auf diesem Weg folgten. Die Hinterbliebenen fanden die Kraft, ihre Schmerzen und ihr Misstrauen zu überwinden und setzten sich ihrerseits für das unglaubliche Vorhaben der Versöhnung und des Friedens ein.

Heute, in einer unbeständigen und tief zerrissenen Welt, ist die deutsch-französische Freundschaft eine Botschaft der Hoffnung.

Wir müssen alles daran setzen, dass diese Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch von uns allen mit Leben erfüllt wird. Hierzu zählen die vielen Städtepartnerschaften, das sich Kennenlernen, das Verstehen und die Fähigkeit, die Andersartigkeit schätzen zu lernen und in dem Partner Freunde zu sehen. Ohne die französisch-deutsche Einheit hätten wir die vielfachen Krisen nicht überwinden können und hätten heute bei den vielen Alleingängen auch auf europäischer Ebene keine gute Zukunft vor uns. Wie wichtig diese Freundschaft ist, erleben wir immer wieder.

Wie wichtig die Erinnerung an Unheil und Erbfeindschaft ist, sollte uns allen bewusst sein.

Am Sonntag, dem 11. November, findet an vielen Orten in Frankreich, so auch in unserer Partnerstadt Montesson, eine Gedenkfeier an die Millionen Toten des 1. Weltkrieges statt. Ich freue mich als Bürgermeister der Stadt Baesweiler an dieser Gedenkfeier teilnehmen zu können, um damit auch auf kommunaler Ebene die Verbundenheit und Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich auszudrücken.

Auch wir werden uns an das Ende des 1. Weltkrieges erinnern und der vielen Toten gedenken und uns am Dienstag, dem 20. November 2018, um 18.00 Uhr am Place de Montesson zu einer kurzen Gedenkveranstaltung versammeln. Hierzu lade ich Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, herzlich ein.

Ihr
Dr. Willi Linkens
Bürgermeister

Mot du Maire de Montesson

Chers Mesdames et Messieurs, 

le 11 novembre, devant tous les monuments aux morts de France, les Français vont se recueillir à l’occasion du Centenaire de la fin de la Première Guerre Mondiale. Nous allons honorer et surtout nous souvenir des soldats qui ont fait le sacrifice de leur vie pour la France. 

Comme chaque ville, chaque village, chaque hameau de France, Montesson a payé un très lourd tribut (91 morts pour 2500 habitants environ). Les noms de nos soldats sont gravés sur nos monuments. 

Dans notre Histoire, la Grande Guerre occupe une place particulière. Elle est l’épreuve la plus dure qu’ait connue la population française dans son ensemble. Elle a profondément marqué et transformé la société française.  

Le 11 novembre 2018, nos amis allemands de Baesweiler et nos amis anglais de Thame seront présents à Montesson pour commémorer la fin de celle qu’on appelait la « Der des Ders ». 

Commémorer, c’est rappeler que la République a traversé des épreuves terrifiantes et qu’elle a toujours su s’en relever. Et qu’elle ne doit avoir peur de rien. Commémorer, c’est savoir d’où l’on vient pour mieux appréhender ce qui nous relie et nous fédère dans une nation, la nôtre. 

Cela doit être aussi l’occasion d’appréhender un siècle d’histoire européenne, avec ses guerres passées, mais aussi avec les décennies de paix que nous venons de vivre. 

Ce siècle d’histoire a forgé nos consciences. Il a hissé au premier rang de nos valeurs, la paix, la tolérance et la fraternité. Il a fait de ces valeurs le socle d’un modèle que nous avons la responsabilité de promouvoir et de faire rayonner. La présence de nos amis allemands et anglais à Montesson en ce jour si particulier en sera la preuve. 

Aujourd’hui, quatre générations nous séparent de ce passé. Il est nécessaire de rappeler l’utilité fondamentale du devoir de mémoire et l’amitié entre les peuples européens. Nos jumelages qui existent depuis des décennies contribuent à une meilleure compréhension. Ils sont un outil majeur pour ouvrir les portes de l’amitié, de la confiance et surtout de l’estime mutuelle. 

Vive notre jumelage avec Baesweiler,
Vive l’amitié entre nos peuples,
Vive la paix. 

Jean-François Bel
Maire de Montesson

Grußwort des Bürgermeisters von Montesson

Sehr geehrte Damen und Herren, 

anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren werden die Franzosen am 11. November vor allen französischen Kriegerdenkmälern verharren. Wir werden den Soldaten gedenken und uns vor allem derer erinnern, die ihr Leben geopfert haben. 

Wie jede Stadt, jedes Dorf, jeder Weiler in Frankreich, so hat auch Montesson einen sehr hohen Blutzoll entrichtet (91 Tote auf rund 2500 Einwohner). Die Namen unserer Soldaten sind in unsere Denkmäler eingraviert worden. 

Der 1. Weltkrieg nimmt in unserer Geschichte einen besonderen Platz ein. Er ist die härteste Bewährungsprobe, die die französische Bevölkerung in ihrer Gesamtheit je erlebt hat. Er hat die französische Gesellschaft zutiefst geprägt und verändert. 

Am 11. November 2018 werden unsere deutschen Freunde aus Baesweiler und unsere englischen Freunde aus Thame in Montesson sein, um dem Ende dessen zu gedenken, was man « den letzten aller Kriege » nannte: die Kriegsteilnehmer glaubten damals, dass es der letzte (große) Krieg sei. 

Gedenken, das heißt erinnern, dass Frankreich furchteinflößende Bewährungsproben durchgemacht hat und sich doch immer wieder davon erholen konnte. Und dass es vor nichts Angst haben muss. Gedenken, das heißt wissen, woher man kommt, um besser zu begreifen, was uns verbindet und uns in einer Nation, der Unsrigen, zusammenschließt. 

Es soll ebenfalls die Gelegenheit sein, ein Jahrhundert europäischer Geschichte zu begreifen, mit seinen vergangenen Kriegen, aber auch mit den Jahrzehnten des Friedens, die wir gerade miterleben. 

Dieses so geschichtsträchtige Jahrhundert hat unser aller Bewußtsein geprägt. Es hat Frieden, Toleranz und Brüderlichkeit in die vorderste Reihe unserer Werte gestellt. Aus diesen Werten ist die Basis für ein Modell entstanden, für dessen Förderung und Strahlkraft wir verantwortlich sind. Die Anwesenheit unserer deutschen und englischen Freunde in Montesson an diesem so besonderen Tag ist der Beweis dafür. 

Vier Generationen trennen uns heute von dieser Vergangenheit. Wir müssen den wesentlichen Nutzen wachrufen, der in der Aufarbeitung der Vergangenheit und in der Freundschaft der europäischen Völker untereinander liegt. Unsere seit Jahrzehnten bestehenden Städtepartnerschaften tragen zu einem besseren Verständnis bei. Sie sind ein bedeutendes Werkzeug, um die Türen der Freundschaft, des Vertrauens und vor allem der gegenseitigen Wertschätzung zu öffnen. 

Es lebe unsere Partnerschaft mit Baesweiler.
Es lebe die Freundschaft zwischen unseren Völkern.
Es lebe der Friede. 

Jean-François Bel
Bürgermeister von Montesson

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