Fahrrad recyceln oder entsorgen?

Wer im Alltag viel Fahrrad fährt, hat zurecht ein gutes (Umwelt-) Gewissen. Denn wenn dadurch Autofahrten ersetzt werden, leistet das Fahrrad einen wichtigen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen und damit gegen die Klimaerwärmung. Das gilt auch für elektrisch unterstützte Bikes.

Nachhaltig handeln heißt aber auch, schon beim Kauf des Fahrrades auf Langlebigkeit, Umweltverträglichkeit und Energieverbrauch zu achten. Vorrausschauend sollte die Eignung zur Wiederverwertung oder möglichst schadlose Entsorgung in die Kaufentscheidung mit einbezogen werden. Hier folgt ein kleiner Überblick über die am häufigsten verwendeten Grundmaterialien für Fahrräder.

Beim Neukauf Qual der Wahl beim Material:

Stahl:
Bei der Bewertung der Materialien im Hinblick auf Nachhaltigkeit liegt Stahl, wenn er in Deutschland produziert wird, und keinen langen Transportweg hinter sich bringen muss, an erster Stelle. Der Energieverbrauch bei der Herstellung ist zwar hoch, aber im Vergleich zu den anderen aktuellen Materialien am niedrigsten und damit auch die Klimabelastung am geringsten. Allerdings sind Fahrräder aus Stahl keine Leichtgewichte. Dazu rostet und korrodiert Stahl bei ungenügender Pflege mit der Zeit. Bei guter Pflege sind Fahrräder aus Stahl jedoch äußerst langlebig, robust und können dazu gut repariert werden. Dazu kommt, dass Stahl problemlos und ohne Qualitätsverluste wieder recycelt werden kann.

Aluminium:
Zwar werden für ein Fahrrad im Schnitt nur rund 2 kg Aluminium und damit eine vergleichsweise geringe Rohstoffmenge benötigt. Allerdings ist die Aluminiumgewinnung und -verarbeitung sehr energieaufwendig. Sie findet überwiegend im weit entfernten Ausland statt, so dass der fertige Rahmen zusätzlich global transportiert werden muss. Damit erhöht sich der CO2-Fußabdruck erheblich. Aluminium ist zwar ein Leichtgewicht, aber weniger langlebig und reparaturunfreundlicher als Stahl. Es kann jedoch ebenfalls ohne Einschränkungen recycelt werden und verbraucht bei der Wiederverwendung als Sekundärrohstoff erheblich weniger Energie als bei der Neugewinnung aus Bauxit.

Carbon:
Carbon ist ein Faserverbundwerkstoff aus Kohlefasermatten und Epoxidharz, einem Kunststoff. Durch diese Kombination zweier Werkstoffe ist Carbon verwindungssteif, stabil und bleibt dabei sehr leicht. So können auch Fahrradrahmen produziert werden, die deutlich leichter sind als solche aus Aluminium oder Stahl. In der Fahrradindustrie wird Carbon mittlerweile fast überall eingesetzt. Es gibt Rahmen, Lenker, Sattelstützen, Felgen, Sättel und Schutzbleche, aber auch zahlreiche kleine Bauteile aus Carbon. Carbon besitzt eine bessere Dauerfestigkeit als Aluminium, korrodiert nicht und Rahmen und Teile sind steifer als Aluminiumprodukte.

Dafür ist die Herstellung von Carbon noch energieintensiver als Aluminium, entsprechend klimaschädlicher und dazu wesentlich teurer. Carbon ist stoßempfindlicher und damit bei Stürzen weniger belastbar als Aluminium oder Stahl. Eine Reparatur der gebrochenen Fasern ist nur in Spezialwerkstätten möglich.  Das Recycling von Bauteilen aus faserverstärkten Kunststoffen ist zwar möglich. Jedoch ist die Wiedergewinnung der Fasern in brauchbarer Qualität äußerst schwierig und energieintensiv und es gibt nur wenige Versuchsanlagen, die dieses Recycling durchführen. Deshalb werden ausgediente Teile oder ganze Fahrräder aus Carbon zurzeit hauptsächlich über die Müllverbrennung entsorgt.

Zu Ende geradelt und im Keller gestrandet?

Eine zweite Chance geben:
Viele Fahrräder werden ausgemustert, lange bevor sie endgültig zerschlissen sind. Damit das Rad nicht vorzeitig entsorgt wird und möglichst lange im Gebrauch bleibt, hier ein paar Tipps zur Weiterverwendung:

  • Auf Kleinanzeigenportalen zum Verkauf anbieten oder
  • Auf der Internet-Plattform tauschen-und-verschenken.de kostenlos weitergeben;
  • Sich an Fahrradwerkstätten von Schulen, Senioren-Werkstätten oder caritativen Einrichtungen wenden, die das Rad eventuell noch sinnvoll verwenden können;
  • Beim Neukauf das gebrauchte Fahrrad dem Fahrradhändler anbieten und mit etwas Glück einen Preisnachlass bekommen (denn manche Fahrradläden kaufen ältere Räder an, setzten sie wieder instand und verkaufen sie anschließend).

Recyceln oder entsorgen:
Wenn trotz aller Bemühungen kein neuer Besitzer (oder keine neue Besitzerin) gefunden werden kann, muss das Rad dem Recycling übergeben oder entsorgt werden:

  • Zur Abholung vor der Haustür anmelden über Sperrmüll: Die RegioEntsorgung vergibt telefonisch, per Sperrmüllkarte oder per E-Mail einen Termin;
  • Abgabe am Recyclinghof in Baesweiler als Sperrgut (gegen Entgelt);
  • Abgabe am Entsorgungszentrum Warden: Fahrräder aus Stahl oder Aluminium werden als Altmetall kostenfrei angenommen, Carbon-Räder gegen ein Entgelt entsorgt.

Was passiert mit den alten Zweirädern?
Fahrräder aus Stahl oder Aluminium werden als Alt-Metall an Recyclingunternehmen verkauft. Dort werden sie nach Materialien getrennt eingeschmolzen und anschließend für neue Produkte wiederverwendet. Die Erlöse werden zur Stabilisierung der Entsorgungsentgelte verwendet.

  • Fahrrad-Rahmen und andere Bauteile aus Carbon werden in der Müllverbrennungsanlage entsorgt. Dort verbrennt die Kunststoffschicht, die Kohlenstoff-Fasern bleiben zurück und werden mit der Schlacke deponiert.

Weitere Tipps und Informationen erhalten Sie bei der Abfallberatung der AWA GmbH unter Telefon: 02403/ 8766-353 oder unter der E-Mail abfallberatung@awa-gmbh.de.