Einweihung neuer Labore im its
Der „Materials Lab Incubator“ der RWTH unterstützt junge Biotechnologie-Gründerinnen und -Gründer
Das „Tal des Todes“ ist gefürchtet. Immer wieder bedeutet es für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler Endstation. Denn Spitzenforschung reicht zumeist nicht aus, um eine Idee auch in die Anwendung zu bringen. Mit dem „Materials Lab Incubator (MerLIn)“ der RWTH Aachen wird jungen Forschenden im Bereich der Biotechnologie dieser Schritt ins Unternehmertum erleichtert.
Mit einer Anschubfinanzierung von maximal 200.000 Euro, einem intensiven Mentoring-Programm und voll ausgestatteten Laboren werden die Teams unterstützt. So soll es den jungen Gründerinnen und Gründern ermöglicht werden, ihre Ideen und den dazugehörigen Businessplan so weit zu entwickeln, dass sie in einem zweiten Schritt potenzielle Investoren von ihren Konzepten überzeugen und so das „Tal des Todes“ überwinden können. „Durch dieses Konzept“, erläutert Professor Ulrich Schwaneberg, Leiter des Instituts für Biotechnologie der RWTH Aachen, „ist sehr schnell klar, ob eine Idee funktioniert und das Konzept markttauglich ist.“ Kürzlich wurden die Labore im Internationalen Technologie- und Service-Center (its) in Baesweiler eingeweiht.
„Ideen, die einen Impact haben, die also relevant für die Gesellschaft sind, wollen wir so von der Forschung in die Anwendung bringen“, so Schwaneberg. Die RWTH hat im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie den „Entrepreneurial Transfer“ explizit als Ziel verankert und befähigt die Gründungskultur an der Hochschule durch ein umfassendes Unterstützungsangebot.
In Baesweiler wird bereits in wenigen Tagen die zweite Generation von Teams ihre Arbeit in den Laboren aufnehmen. Vier Teams waren es beim Start des Inkubators. „Solubind“ möchte sicherstellen, dass Deutschland auch künftig Zugang zu kritischen Metallen hat. Bislang ist hier die Abhängigkeit von China sehr hoch. „Solubind“ will diese Versorgung durch proteinbasiertes Recycling gewährleisten. „Lipitune“ möchte, dass Schluss ist mit der Abholzung des Regenwalds, dem Verlust von Biodiversität und dem massenhaften Einsatz von Pestiziden – all das ist nämlich Realität bei der Herstellung von Palmöl. „Lipitune“ produziert nachhaltige Alternativen für unterschiedlichste Pflanzenöle aus Pilzen. Das Team „Verdancy“ entwickelt biologisch abbaubare und mikroplastikfreie Additive, die verhindern, dass Pflanzenschutzmittel durch Regen von der Pflanze gespült werden. So kann der Einsatz der Pestizide minimiert werden. Das vierte Team – „Power2Polymers“ – will fossile Rohstoffe, vor allem Erdöl, insbesondere bei der Herstellung von Beschichtungen, Schmier- und Klebstoffen durch nachwachsende Stoffe ersetzen.
Über zukunftsträchtige Arbeitsplätze freute sich Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier: „Der Strukturwandel darf nicht nur Abschied sein, sondern er muss auch Aufbruch bedeuten.“ Der Inkubator helfe dabei, Wertschöpfung regional zu verankern. Baesweilers Bürgermeister Pierre Froesch ist überzeugt, dass der Inkubator die Stadt, aber auch die gesamte Städteregion, als Wirtschaftsstandort stärken werde. „Deshalb haben wir hier auch trotz angespannter Haushaltslage investiert“, so Froesch.
Der Inkubator wird im Rahmen der Modellregion Bioökonomie im Rheinischen Revier mit rund 11 Millionen Euro gefördert, um im Strukturwandel zukunftsgerichtete Arbeitsplätze zu schaffen. Circa sieben Millionen Euro kommen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), circa drei vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und circa 1,1 Millionen Euro steuert das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE) bei. Rund 800.000 Euro investierte die Stadt Baesweiler in den Umbau der Labore. Der Inkubator ist innerhalb des Bio4MatPro-Kompetenzzentrums (Bio4MatPro zur Biologischen Transformation von Materialwissenschaften und Produktionstechnik) an der RWTH verortet, das mit 26,3 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert wird.
Mehr zur Gründungsunterstützung an der RWTH:
https://www.rwth-aachen.de/cms/root/transfer/~bpgfbi/Gruendungsunterstuetzung/
